Erstes Open Air Konzert des Musikverein Harmonie vor 500 Zuhörern

Für jeden Geschmack etwas dabei: Dirigent Andreas Schmidt hatte mit seinen Musikern neben traditioneller Blasmusik lyrische Balladen wie elektrisierende Rock und Pop-Arrangements der Fünfziger bis Achtzigerjahre vorbereitet.

Reichelsheim (hh). Sonnenschein, Festivalstimmung und eine malerische Kulisse: Beim ersten Open-Air-Konzert am Bergwerksee bot der Musikverein Harmonie Dorn-Assenheim den etwa 500 begeisterten Zuhörern ein unvergessliches Erlebnis. „Die haben heute ein tolles Festival auf die Beine gestellt,“ lobte ein Besucher, während ein zweiter schwärmte: „Ein Hauch von Woodstock, nur mit Blasmusik.“ Dirigent Andreas Schmidt bewies ein geschicktes Händchen bei der Auswahl der Stücke. Moderiert von Maren Guckelsberger und Berthold Schäfer stellte die Harmonie ihr Können und ihren Spaß am Musizieren gleichermaßen unter Beweis.

Bereits das erste Stück elektrisierte das Publikum. Gesanglich illustriert von Reiner Bentrup und Holger Wenisch hatte das groovige “Hoch die Hände, Wochenende“ nur eine Botschaft: „Genießt den Einstieg in die schönste Zeit der Woche.“ Die gleiche Handschrift trug später „Ein Leben lang.“, ein hymnenartiger Song mit einer ebenso präzisen wie berührenden Intonation im Oberkrainer Stil der „Fäaschtbänkler“.

Die mächtige Tuba mit ihrem sonoren tiefenentspannenden Sound wurde zum Instrument des Jahres 2024 gekürt und hat mit Dietmar Mittig einen herausragenden Botschafter. Als Solist brillierte er mit dem Tuba-Solo „Unser Brummbär.“ Dabei zeigt er die Vielzahl klanglicher und rhythmischer Facetten des Stücks wie des Instruments auf und vereint Tiefe und Lebendigkeit in einem virtuosen Spiel.

Die Oberkrainer-Rhythmen in der „Kleinen Maus“ sind lebendig und kontrastieren mit den Melodien der böhmischen und Egerländer Musik. Ein gutes Beispiel ist der Konzertmarsch „Mens sana in Corpore sano“ im Ernst Mosch-Stil mit vielen Taktwechseln und mit einer Prise Karl Lauterbach: Ein gesunder Geist im gesundem Körper. Beliebte Stücke wie die „Südböhmische Polka“ und die „Paula Polka“ fallen ebenfalls in diese Kategorie mit kernigem Spiel, harmonischem Klang und tiefgründiger Dynamik.

Vorsicht, Ohrwurm-Alarm, tönte es von der Bühne. „When the Wellerman Comes“ entführte das Publikum auf ein Walfängerschiff in düsterer Meeresatmosphäre. Der Refrain des packenden Shanties wechselt geschickt zwischen Soli im hohen Register und den Matrosen. Das sind stampfende Rhythmen, tiefe Passagen, bis sich Melodie, Dynamik und Artikulation zu einem beeindruckenden Ganzen verschmelzen. Der „Wellerman“ war ein wichtiges Versorgungsschiff für Seeleute mit allem Lebenswichtigem an Bord: Zucker, Tee und Rum.

Wenn das Publikum begeistert “Na na na na na“ singt, dann sind die Beatles mit ihrer Popballade “Hey Jude” nicht fern. Ein zeitloser Klassiker, der eine Botschaft von Melancholie und Empathie vermittelt. Der Harmonie gelingt es, die gesamte Bandbreite dieser Emotionen abzubilden. Mit „Dancing Queen“ oder „Mamma Mia“ tauchten die Musiker souverän in die glitzernde Welt der Plateauschuhe. Die Holzbläser übernahmen die Klavierpassagen, die Trompeten (Marius Münch und Nela Becker) konzentrierten sich auf die Gesangsstimmen und das tiefe Blech interpretierte den unverkennbaren Abba-Sound mit geballter Bläserkraft.

In „Nothing’s gonna change my love for you“ betonten die Musiker ihre charmante Ader. Eine in Noten gegossene Liebeserklärung als Kombination aus Verspieltheit und Leichtigkeit mit einem Schuss Jazz. Wem jetzt noch etwas Swing gefehlt hat, dem wurde mit “Bad, Bad Leroy Brown“ geholfen. Der war übrigens ein lokaler Kleinkrimineller. Eine eingängige Melodie, etwas lockeres Fingerschnipsen hier, ein modularischer Wechsel dort und schon war der Hebel auf Spannung umgelegt.

Beim Abstecher in die 60er mit Flower Power und Woodstock im „Spirit of 69“ wurden hippige Songs der Monkees lebendig wie der Sound der Bee Gees in der Ballade Massachusetts. Wie auch beim Musical Grease wusste die Harmonie einmal mehr, ursprüngliche Gesangsstücke instrumental zu interpretieren. Mit „You’re the One That I Want“ fingen die Aktiven nochmals die Zeit von Petticoat und Jukebox ein.

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